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Hodenhochstand - Kastration?

Lassen Sie uns eines bitte vorweg nehmen. Bei diesem Blogeintrag handelt es sich nicht um eine wissenschaftliche Ausarbeitung. Vielmehr handelt es sich um eine Zusammenfassung bestehender Fakten, die eigene Meinung und Bewertung dieser.

 

Wir stehen nämlich genau vor der Entscheidung:
Kastration oder nur die Entfernung des innenliegenden Hoden?

 

Ausgangslage: Unser Rüde wurde mit einem Hodenhochstand geboren. In Fachkreisen spricht man hier auch von dem Kryptorchismus. Dieser Hodenhochstand kann ein- oder beidseitig auftreten. Je nachdem wo der Hoden auf seinem Weg in den Hodensack liegenbleibt, unterscheidet man den abdominalen (der Hoden liegt in der Bauchhöhle)  und den inguinalen (der Hoden liegt im Leistenring) Kryptorschismus.

 

Welche Möglichkeiten bleiben denn nun? Genau, entweder lässt man den im Bauchraum / Leiste befindlichen Hoden entfernen und belässt den "gesunden" Hoden an Ort und Stelle. Oder aber, man lässt im Rahmen der sowieso erforderlichen Operation den Rüden direkt kastrieren und beide Hoden werden entfernt.

 

In unserem Beispiel geht es nun um einen gerade einjährigen Rüden. Also noch mitten in der hormonellen Entwicklungsphase. Einerseits kann es sein, dass durch den innenliegenden Hoden vermehrt Östrogene (weibliche Hormone) ausgeschüttet werden, was wiederum Nachteile mit sich bringt. Andersherum bedeutet eine frühzeitige und vollständige Kastration in dem Moment eine Unterbrechung der Weiterentwicklung des Rüden. Da der Rüde nach erfolgreicher Ausbildung mit zur Jagd genommen werden soll,  ist neben der körperlichen Entwicklung auch die geistige Entwicklung zu betrachten. 

 

Nehmen wir nun als Betrachtungsansatz den Fall - vollständige Kastration: Welche Auswirkungen würde das mit sich bringen?

 

Hier ein paar Beispiele beim Rüden:

 

Futteraggression:
Steigerung des Verhalten (Cortisol gesteuert)

Angst-Aggression:

Verschärfung der Problematik (Cortisol gesteuert)

Eifersucht:

Keine Änderung (Vasopressin abhängig)

Verteidigung etc.

Keine Verbesserung, evtl. Verschlimmerung (Prolaktin + Testosteron abhängig)

Statusaggression (inkl. Territorialaggression)

Kann sich je nach Rassezugehörigkeit verbessern, wenn das Verhalten nicht schon als erfolgreiche Strategie im Gehirn abgespeichert ist. Erziehungskorrekturen sind unerlässlich. 

 

Angst; Panik

Übermäßige Cortisolproduktion; eine Verschärfung der Problematik ist durchaus zu erwarten.

 

(vgl. Verhaltensbiologie für Hundehalter - das Praxisbuch)

Nehmen wir nur die oben aufgeführten Beispiele, so lässt sich für mich nur ein Entschluss zu: Keine Kastration ohne medizinische Indikation!

 

An dem Beispiel unseres Rüden würden wir nun folgendes unternehmen: Der innenliegende Hoden wird entfernt, und der artgerecht entwickelte Hoden verbleibt an Ort und Stelle.